Der Blick von fern

Ich schreibe wöchentlich darüber, wie unser Leben aus einer extremen Vogelperspektive aussehen könnte.

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Professorin Cassie sitzt nach einem stressigen Tag auf dem Sofa, trinkt Wein und schaut fern. Plötzlich schmerzt ihr Magen.

 

Professorin Cassie macht sich Sorgen um ihren Bruder Jonas, der bei ihr in der großen Altbauwohnung lebt, seitdem ihre Kinder ausgezogen sind.

Professorin Cassie ist gespannt auf das bevorstehende Seminar. Die Studentin, die einen Impulsvortrag halten soll, ist eine bekannte Podcasterin.

 

Professorin Cassie ist auf einem Date in einem schönen Restaurant. Der Mann ist charmant, gutaussehend, eloquent.

Professorin Cassie putzt ihren Kühlschrank. Dabei fällt ihr das Wischtuch auf den Boden. Sie beugt sich hinunter, um es aufzuheben. Plötzlich fährt ihr ein stechender Schmerz in den Rücken.

Auf der Party zum 22. Geburtstag von Cassies Tochter herrscht super Stimmung - bis Cassie und ihr Ex-Mann Kurt zusammentreffen.

Professorin Cassie hat ihre Wohnungstür abgeschlossen, dreht sich dann aber noch mal um. Sie kontrolliert noch zweimal, ob sie wirklich abgeschlossen hat. Es ist eine Marotte, die sie nicht ablegen kann.

Professorin Cassie müsste eingreifen. In ihrem Grundkurs ist eine Diskussion entbrannt, die nichts mehr mit wissenschaftlichem Diskurs zu tun hat. Drei junge Studenten beschimpfen und verurteilen eine Frau für ihre Sichtweise.

Das Thema Einsicht wird in der Philosophie seit Jahrtausenden diskutiert. Im Grundseminar nimmt Professorin Cassie ein polarisierendes Thema, um Einsicht zu erklären. Sie fragt, ob die Corona-Impfungen gefährlich seien oder nicht.

 

Der zwölf Meter breite Gehweg vor der Universität ist wie immer voll mit flanierenden Urlaubern und gehetzten Berufstätigen. Da kommt ein Jugendlicher auf einem E-Scooter herangesaust, kurvt lachend um die Passanten herum.