Werte akzeptieren

Professorin Cassie und ihre Tochter Betty sprechen über deren Ausbildung. Betty hat Stress mit einem Lehrer, der sie ihrer Ansicht nach ungerecht behandelt. Das Thema lässt sie überhaupt nicht los.

Cassie ist müde nach einem langen Arbeitstag. Sie hat keine Kapazitäten mehr, um sich auf Betty einzustimmen, aber sie will für ihre Tochter da sein. Sie weiß nicht, dass sie das in diesem Zustand nicht kann. „Nimm es nicht so schwer. Lehrjahre sind keine Herrenjahre“, sagt Cassie unbedacht.

Betty sieht sie empört an. „Was soll das denn heißen? Dass ich das einfach hinnehmen soll?“

Cassie stutzt. Plötzlich wird ihr bewusst, dass sie nach den Vorstellungen und Werten der Generation X spricht. „Natürlich sollst du das nicht hinnehmen. Das war ein blöder Spruch aus meiner Jugend. Damals hat man sich überhaupt nicht um die Gefühle von Einzelnen gekümmert. Es ging nur darum, dass das System funktionierte und niemand gestört wurde.“

„Wie seid ihr damit zurechtgekommen, dass sich niemand für eure Gefühle interessiert hat? Woran habt ihr euer Handeln ausgerichtet?“ Betty ist neugierig.

Cassie muss eine Weile nachdenken. „Das ist so lange her. Die Zeit gibt es nicht mehr. Wir haben gemacht, was man uns gesagt hat, also was gesellschaftlich gewünscht war. Oder wir haben dagegen rebelliert.“

„Das sind nicht sehr viele Handlungsoptionen. Und keine davon ist authentisch.“

Cassie hat den Impuls, sich zu verteidigen. Da wird ihr klar, dass Betty recht hat. „Wir wussten nicht, was es heißt, authentisch zu sein. Das war damals kein Wert. Umso besser, dass ihr die Möglichkeit habt, euren Gefühlen gemäß zu leben.“ Sie erkennt, dass sie die Geschichte ihrer Tochter vor dem Hintergrund von Bettys Werten anhören muss, wenn sie sie wirklich verstehen will. „Lass uns noch mal von vorn anfangen. Erzähl mir von dem Konflikt“, fordert sie ihre Tochter auf.

Betty spürt in sich hinein und erzählt von ihren Gefühlen. Zuerst fällt es Cassie schwer, nur zuzuhören und mitzufühlen, doch dann werden die beiden ruhiger und klarer. Je länger Betty spricht, umso deutlicher erkennen beide die Ursache des Problems mit dem Lehrer. Dessen herablassende Haltung verunsichert und ängstigt sie. Cassie kennt das von sich selbst, allerdings hat sie es sich nie eingestanden. Bettys Einschätzung wirft es ein neues Licht auf Cassies Erfahrungen.

Erstaunlicherweise ist Betty beruhigt, als sie ihre Ängste herausgearbeitet hat. Denn wenn das Problem in ihren eigenen Gefühlen liegt, wird sie auch dort die Lösung finden. Sie spürt sofort, wie das Gedankenkreisen aufhört.

Cassie fühlt sich ebenso klar und zuversichtlich wie Betty. Sie ist stolz auf Bettys Klarheit und Authentizität. Betty ist stolz auf die Zurückhaltung und Präsenz ihrer Mutter. Die beiden haben es geschafft, ihre Stärken zusammenzubringen und eine Lösung zu finden.

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