Launen umdrehen
Auf der Party zum 22. Geburtstag von Cassies Tochter herrscht super Stimmung - bis Cassie und ihr Ex-Mann Kurt zusammentreffen. Die beiden sind seit Jahren geschieden, sehen sich regelmäßig bei den Kindern. Als Professor und Professorin wissen sie sich zu benehmen. Sie streiten nicht vor den Kindern und deren Freunden, aber Cassie bekommt sofort schlechte Laune, wenn sie Kurts missmutiges Gesicht sieht. Sie nimmt an, dass ihm die Aufmerksamkeit der Leute fehlt, so wie ihr selbst. Alle im Raum amüsieren sich – nur Cassie und Kurt nicht. Cassie will sich nicht runterziehen lassen und geht in die Küche.
Da bittet Betty ihre Mutter, ihr beim Abwaschen zu helfen. Die Teller seien ausgegangen. Cassie meckert Betty an, schließlich sei sie keine Küchenhilfe. Betty geht verärgert weg. Cassie ist überrascht. Sie wollte ihrer Tochter nicht die Laune verderben, aber genau das hat sie gerade getan. Nun sind drei Leute missmutig. Kurt ist genervt, weil die jungen Leute, keine Lust haben, sich von ihm belehren zu lassen. Cassie ist genervt seinetwegen und Betty ihretwegen. Am liebsten würde sie zu Kurt gehen und ihm vorwerfen, dass er ihr und dann sie ihrer Tochter die Laune verdorben hat. Sie atmet ein paar Mal tief durch und erkennt, wie sie einander negativ beeinflusst haben.
Sie will es wiedergutmachen, lässt Wasser einlaufen und wäscht die schmutzigen Teller ab. Eine Freundin von Betty nimmt ein Tuch und wischt das Geschirr trocken. Dabei unterhalten sie sich angeregt. Cassies Laune hebt sich. Als Kurt in die Küche kommt und sie beim Abwaschen sieht, kriegt Cassie wieder schlechte Laune, aber dieses Mal bemerkt sie es. Sie atmet durch und kann zu dem netten Gespräch mit der jungen Frau zurückkehren. Sie hört nur am Rande, wie Kurt etwas von Spülmaschine kaufen sagt. „Gemeinsam ist das doch easy. Allein in der Küche zu stehen, ist blöd“, sagt die junge Frau. Cassie schmunzelt und stimmt zu.
Kurt steht mit versteinertem Gesicht in der Küchentür. Cassie spürt, wie ihre Schultern und die Brust schwer werden, aber sie wird sich nicht mehr in seine schlechte Laune reinziehen lassen. Sie atmet langsam und unauffällig, reckt und streckt sich, dabei wäscht sie weiter ab. Ihr Körper wird wieder leichter und sie kann sich weiter nett unterhalten. Kurt wirkt plötzlich unsicher. Die junge Frau bemerkt es. „Können Sie die sauberen Teller bitte wieder rausbringen?“ Sie deutet Kurts verblüfften Blick falsch. „Rechts neben den Salat auf das Tischchen.“
Cassie lacht Kurt gut gelaunt an. Er braucht ein paar Sekunden, um zu begreifen, dass die junge Frau ihn einbeziehen will. Dann lächelt er. Theatralisch greift er nach dem Tellerstapel, wiederholt die Anweisung der jungen Frau und geht hinaus. Kurz darauf steht Betty in der Tür. „Papa hat Teller rausgebracht. Was ist denn mit dem los?“
„Wir bringen uns ein und das hebt unsere Laune“, sagt Cassie. Ihr wird plötzlich bewusst, dass sie einander in beide Richtungen beeinflussen können. Und für die nächsten Begegnungen mit Kurt nimmt sie sich vor, ihre Leichtigkeit und gute Laune zu bewahren und ihn damit anzustecken. Sie hat ja jetzt erlebt, wie es funktioniert.
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