Körpersignale beachten

Professorin Cassie ist auf einem Date in einem schönen Restaurant. Der Mann ist charmant, gutaussehend, eloquent. Sie haben gemeinsame Interessen und unterhalten sich angeregt. Cassie ist begeistert von dem Treffen. Allerdings schmerzen ihre Schultern. Sie will sie unauffällig lockern und merkt dabei, wie angespannt sie ist. Sie schiebt es auf die spannende Situation. Sie atmet mehrfach tief durch, aber ihr Körper beruhigt sich nicht. Also ignoriert Cassie ihre Muskeln und wendet sich wieder dem Gespräch zu. Der Mann ist witzig, frech, schlau. Sie lachen gemeinsam und laut. Es macht ihr Spaß, Zeit mit ihm zu verbringen.

Doch der Schmerz in Cassies Schultern breitet sich auf ihren Nacken aus. Das ärgert sie. Sie hatte schon so lange kein nettes Date mehr. Sie will einfach, dass das ein schöner Abend wird. Da fangen ihre Waden an zu kribbeln. Sie wird doch keinen Wadenkrampf bekommen? Wie soll sie sich so auf ihn und das Gespräch konzentrieren?

Sie atmet tief durch, um sich zu beruhigen, doch es gelingt ihr nicht. Ihre Muskeln sind komplett angespannt, wie in Alarmbereitschaft. Plötzlich begreift sie es. Ihr Körper hat ein Problem mit diesem Mann. Sie versteht das nicht und ärgert sich. Er hat alles, was sie sich von einem Date und vielleicht sogar von einem Partner wünscht. Er geht auf sie ein, sagt die richtigen Dinge, hat den gleichen Humor. Sie haben sogar beim Essen den gleichen Geschmack. Cassie möchte diesen Mann näher kennenlernen, aber ihr Körper will das offenbar nicht. Ihre Beine sind plötzlich extrem unruhig, als wenn sie dieser Situation entfliehen wollen. Cassie ist in einem Zwiespalt, aber nach ein paar tiefen Atemzügen wird ihr klar, dass sie die Zeichen ihres Körpers nicht ignorieren kann. Sie geht auf die Toilette, um sich zu sammeln. Sie spürt in sich hinein und bemerkt, dass ihr Körper sich nicht sicher fühlt in der Gegenwart dieses Mannes. Sie lässt den Abend Revue passieren. Es gab tatsächlich Momente, in denen ihr Date herablassend war und sie sich unterschwellig angegriffen fühlte. Eigentlich nichts Besonderes. Sollte das der Grund für ihren körperlichen Stress sein?

Sie geht zurück zu ihrem Tisch. Er sieht sie genervt an, als würde er innerlich fragen, was sie so lange auf der Toilette gemacht hat. Sie schaut ihn an, achtet dabei auf ihre Körpersignale. Ihre Beine sagen Lauf! Also sagt sie ihm freundlich, aber klar, dass sie den Abend sehr genossen habe, es aber dabei belassen möchte.

Er lächelt plötzlich nicht mehr. Sein Gesicht wird hart und seine Stimme verletzend. „Du bist mir sowieso zu alt“, ist das Einzige, was er sagt.

Cassie ist geschockt. Die schöne Erfahrung der letzten Stunden verfliegt. Sie legt das Geld für ihr Essen auf den Tisch. Mit einem Nicken verabschiedet sie sich und verlässt das Restaurant. Draußen werden ihre Schultern wieder weich. Statt den Bus zur S-Bahn zu nehmen, geht sie zu Fuß und ihre Beine entspannen sich mit jedem Schritt. Sie ist froh, dass sie auf ihren Körper gehört hat. Wieder einmal hat er ihr etwas gezeigt, das ihr Verstand noch nicht mitbekommen hat oder vielleicht nicht wahrhaben wollte. Sie ist dankbar dafür, dass sie ihre Körpersignale so gut wahrnehmen und ihnen folgen kann.

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