Ich bin - das Bewusstsein. Kollektives Trauma

Sicherheit ist im Universum unwichtig. Alles bewegt sich seit Jahrmillionen in den vorgesehenen Bahnen. Für die darin lebenden Wesen ist Sicherheit jedoch überlebenswichtig. Die Tiere und Pflanzen auf der Erde sind von mir, dem Bewusstsein, durchdrungen. Sie bewahren ihre Sicherheit durch gute Instinkte und Verhaltensmuster, mit denen sie Gefahrensituationen erfassen und erinnern können.

Bei den Menschen ist die Lage komplizierter. Sie haben sich in kürzester Zeit von Jägern und Sammlern zu weltweit vernetzten, von Elektronik getriebenen Individuen entwickelt. Ihre Instinkte werden durch Ablenkungen, Vermeidungen oder Versicherungspolicen gedämpft.

Cassie ist besorgt über die politische Weltlage. Imperialismus, Ausgrenzung, Menschenverachtung machen sie ängstlich und wütend. Sie führt ständig emotionale Diskussionen über Gerechtigkeit und Würde, aber besser fühlt sie sich dadurch nicht. Wenn sie nur sehen könnte, was ich sehe. Die ganze Gesellschaft fühlt sich gerade daran erinnert, wohin Großmachtdenken und Überheblichkeit den Kontinent geführt haben. Die Erfahrungen der Ahnen liegen wie ein tiefer dunkler See in der Erde unter ihnen. Da schwimmen all die verdrängten Gräuel, die unsagbaren Verbrechen, die nur symbolisch gesühnt wurden. Cassie und ihre Kinder haben viel darüber in der Schule gelernt, aber die Traumata, die ihre Familie angesammelt hat, können sie nur erahnen. Ihre Generationen sollte vor den Schrecken beschützt werden, indem in ihrer Gegenwart nicht darüber gesprochen wurde. Andere Familien haben so gelitten, dass sie nie wieder darüber sprechen konnten. All das Ungesagte drängt plötzlich aus dem tiefen See der Unbewusstheit nach oben in das Bewusstsein der Menschen. Cassie fängt meine Botschaft auf. Sie hält in der Diskussion inne und lauscht nach innen. Sie erkennt ihre Angst, aber nicht, dass es sich um ein kollektives Trauma handelt. Wie sollte sie auch.Die Gesellschaft steht an der Schwelle, das nicht Verarbeitete neu zu inszenieren, als könnte sie es dadurch überwinden. Doch das wird nicht funktionieren. Das weiß ich aus Erfahrung.

„Wiederholen wir jetzt doch noch die Fehler unserer Urgroßeltern?“, flüstert ihre Tochter plötzlich. Sie hat meine Botschaft bekommen.

„Nein, wie kommst du denn darauf?“, beschwichtigt Cassie sie.

„Wie der Kumpel, der immer wieder von einem Beinahe-Unfall erzählt, weil er es nicht überwinden kann.“ Die Tochter wird still, sie kann das Trauma im kollektiven Unbewussten spüren. „Die Menschen haben so gelitten. Ich möchte nicht in Angst vor Verfolgung und Gewalt leben müssen“, flüstert sie.

Wenn sie nur wüsste, dass sie durch das Bezeugen und Zulassen das Trauma vermindern kann. Cassie horcht auf. „Wir sollten uns auf unsere Ängste einlassen. Sie nicht wegdrücken, sie nicht in Wut verwandeln, sondern mit ihnen schwingen.“ Sie wundert sich über das, was sie gerade sagt. Das war genau das, was ich ihr vermitteln wollte. Wenn sie das wirklich tut, kann sie das unerklärliche Unbehagen Stück für Stück überwinden.

 

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