Höhenangst besiegen


Seit einem Bergunfall vor 27 Jahren hatte ich Höhenangst.
Ein Teil meiner Familie lebt in den Bergen, alle wandern und klettern, aber wenn ich da war, wurden nur breite, planierte Forstwege benutzt.
Ich wollte etwas ändern und entschied mich für die Trauma Buster Technique. Eine geschulte Frau führte mich durch den Prozess.
In einer einzigen Session betrachtete ich den Bergunfall von jeder erdenklichen Seite.
Dazu stellte ich mir das Ereignis wie einen Film vor, mit einem Anfang, einem Ende und dem schlimmsten Moment.
Ich projizierte diesen Film in meiner Vorstellung auf die Wand vor mir.
Das gelang mir nach ein paar Minuten ganz gut.
Dann musste ich den Film verfremden. So ließ ich ihn rückwärts laufen. Ich stellte mir Bild für Bild vor, bis ich heil am Anfang der Geschichte stand.
Danach stellte ich ihn mir als Zeichentrickfilm vor. Die Personen sahen aus wie die Bewohner von Entenhausen. Sie redeten nicht, sondern quakten.
Dieser Film war lustig, obwohl der Sturz es nicht war.
Ich hörte schwungvolle Musik, während ich den Film in meiner Vorstellung ablaufen ließ.
Nach 90 Minuten war meine Konzentration erschöpft. Ich hatte diesen Film so oft verfremdet, mehr fiel mir nicht ein. Und ich hatte auch keine Lust mehr.
Wenigstens löste die Erinnerung an den Unfall keinen Stress mehr aus.
Beim nächsten Familienbesuch in den Bergen dachte ich nicht mehr an diese Session und auch nicht an meine Höhenangst.
Fröhlich fuhren wir mit der Gondel einen kleinen Berg hoch. Um die Bergstation herum war alles eben. Wir sahen uns um und standen plötzlich an einem kurzen Anstieg zu einem Gipfel.
Ich sah hinauf. Das war nicht schwierig. Wir liefen los.
Es ging leicht bis zu einer Stelle, wo ich ein paar kniehohe, unebene Felsstufen hinaufsteigen musste. Ich hielt mich daran fest und kletterte hoch.
Als ich oben stand fiel mir ein, dass ich mich im Vorjahr geweigert hatte, eine viel breitere, flachere Strecke zu gehen.
„Ich hatte gar keine Angst“, sagte ich zu meinem Begleiter.
„Ich hätte nicht gedacht, dass du da raufgehst“, sagte er gelassen.
Entspannt gingen wir wieder hinunter.
Ich liebe die Höhe immer noch nicht, aber immerhin habe ich keine Angst mehr davor.

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Kommentar von Bison |

Sehr schöner Beitrag. Sowas reisst oft ein tiefes Loch ins Unterbewusstsein und sich dem zu stellen ist sicherlich schwer. Bei mir ist es ähnlich, auch wenn nicht so dramatisch. Vertrage auch keine Höhen, wollte mich aber vielleicht mal ein wenig bei einer Ballonfahrt annähern. Mal schauen. Weiter so!

Antwort von Alexandra Kusche

Danke! Ich wünsche dir viel Erfolg und eine schöne Ballonfahrt - sobald du soweit bist.

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